Ein Volk in Gefahr – Das Leid der Uiguren

Frauen, Kinder und Männer werden eingesperrt. Sie werden gewaltsam umerzogen, gefoltert und festgehalten, gegen ihren Willen. Ein Grund dafür: ihre Religion. Hierbei handelt es sich nicht etwa um historische Ausschnitte eines Geschichtsbuchs im Kapitel über den Nationalsozialismus. Verblüffender Weise geht es um aktuelle Nachrichten. Aktuelle Nachrichten, die von den Medien und der Regierung unter den Teppich gekehrt werden.  

 Wie kommt es zu so etwas Schrecklichem, nachdem es hieß: „Die Vergangenheit darf nicht in Vergessenheit geraten.” 

Alles spielt sich ab in einem der einflussreichsten und mächtigsten Staaten der Welt: China. Die chinesische Regierung sperrt einen Teil seiner Bevölkerung, die Uiguren, in Lager. Nach eigenen Angaben in Bildungslager. Lager, die errichtet worden sein sollen, um bestimmten Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich zu integrieren. Die Realität zeigt Schreckliches. 

China setzt sich aus mehreren ethnischen Gruppen zusammen. Um genau zu sein, besteht China aus genau 90 dieser Völker. Davon hat die Volksrepublik China jedoch nur 56 offiziell anerkannt. Die Han-Chinesen, eine dieser Gruppen, macht den Großteil der Population des Staates aus. 90 Prozent aller Bewohner sind Han-Chinesen. Die restlichen dieser Völker setzen sich oft nur aus einigen Tausend Menschen zusammen. Dennoch existieren auch größere Gruppen. Wie die der Uiguren. Das Volk besteht aus insgesamt zehn Millionen in China sesshaften Uiguren. In ihrer eigenen Sprache, der Turksprache, kommunizieren sie untereinander. Ein Großteil der Gruppe ist muslimischen Glaubens, was sich auch auf deren Kultur auswirkt. In arabisch-persischer Schrift schreiben sie. 

Die Uiguren leben also ihre eigene Kultur, haben die Freiheit, ihre Religion auszuüben und sprechen ihre eigene Sprache. Sie leben in einer autonomen Region. Dennoch gehört die große Volksgruppe geographisch und politisch gesehen zur Volkrepublik China. An dieser Stelle findet man den ausschlaggebenden Punkt des Konfliktes wieder. Im Jahre 1933 sprach das Volk erstmals den Wunsch aus, unabhängig von China zu werden und sich abzuwenden. Nachdem dieser Wunsch regelrecht ignoriert wurde, herrschte lange Zeit eine Stille um dieses Anliegen. Im Jahre 2017 wurden die Stimmen der Uiguren im Zusammenhang um die Unabhängigkeit jedoch immer lauter.  

Selbstverständlich passt dieses Unabhängigkeitsbestreben China gar nicht. Der Staat fürchtet einen Zusammenbruch dieser großen Weltmacht. Die Angst es würden sich andere Völker dieser Art Bewegung anschließen ist zu groß. Um solch ein Szenario zu vermeiden unternimmt China alles in ihrer Macht Stehende, was bekanntlich einiges ist. 

Besonders einige radikale Anschläge der Uiguren, bei welchen viele Menschen ums Leben kamen, bewegte die Regierung dazu, zu handeln, extrem zu handeln. 

Um einen Zusammenbruch zu vermeiden, begann die Regierung alle Uiguren des radikalen Terrors zu beschuldigen. Jeder der zur Gruppe gehörigen Menschen ist für die Regierung ein potenzieller Terrorist. Bis dahin wurde aber von der Regierung außer der ständigen Kontrollen des Alltags nichts unternommen, zumindest nichts, wovon die Öffentlichkeit Wind bekam.  

Durch interne Dokumente, Berichte und Aussagen von Augenzeugen wurde jedoch die Wahrheit ans Licht gebracht. Sogenannte Whistleblower veröffentlichten diese streng geheimen Informationen. So wurde mindestens eine Lüge der Regierung aufgedeckt: die Existenz der Lager. Diese Existenz wurde über einen langen Zeitraum stets von der chinesischen Regierung geleugnet. Die Regierung sprach von Gerüchten, Lügen und Propaganda, die der Westen zu verantworten haben sollte. Nachdem jedoch die ersten Berichte von Augenzeugen an die Öffentlichkeit geraten waren, konnte die Regierung diese Lager nicht mehr geheim halten. Die Wahrheit vertuschten sie jedoch auch weiterhin. Nach eigenen Angaben soll es sich hierbei um sogenannte Bildungslager handeln. Diese Lager würden von den Uiguren freiwillig aufgesucht werden, um sich in die chinesische Kultur zu integrieren. Es sei also eine Geste der Regierung zu Gunsten der Uiguren. Im Fernsehen zeigte die Regierung vermehrt Filme vom freien Leben in einem dieser Lager. Sogar Journalisten von außerhalb durften vereinzelt ausgewählte Lager aufsuchen. Die Realität zeigt jedoch unbeschreiblich schreckliche Zustände. 

Laut den Berichten vieler Uiguren, die gezwungen waren eine Zeit ihres Lebens in den Lagern zu verbringen, sei es der Plan der Regierung, die Menschen umzuerziehen. Weg vom Islam, hin zum guten chinesischen Staatsbürger. In Gefangenschaft werden den Menschen Spritzen verabreicht. Die Spritzen lassen sie vergessen, wer sie sind und was mit ihnen vorgeht. Ungehorsamkeit wird mit stundenlangem Auspeitschen und jeder möglichen Form von Gewalt bestraft. Berichten zufolge sollen einige der Uiguren ihr Leben in einem dieser Lager verloren haben. Dem muslimisch gläubigen Volk wird der Verzehr von Schweinefleisch aufgezwungen, der im Islam deutlich verboten ist. Die Kultur der Uiguren wird beseitigt. 

Und die Welt schweigt. Amerika schweigt, Deutschland schweigt, alle schweigen. Die Folter von mittlerweile mehr als einer Million Uiguren wird verschleiert und unter den Teppich gekehrt. Die Medien, die Regierung, die Einflussreichen verschweigen uns das Leid von Millionen Menschen. Während die Großmächte schweigen, müssen Hunderttausende Menschen ein unvorstellbares Elend ertragen. Hunderttausende Menschen müssen jeden Morgen mit der Angst aufwachen für ihre Herkunft bestraft zu werden. Und das, weil niemand den Aufschrei hören möchte. 

Wirtschaftliches Interesse. Der Grund warum niemand redet. Die Macht Chinas übertönt die Schreie der Leidenden. Und das mit jedem Tag der vergeht. „Lasst uns nicht die Geschichte vergessen.” So heißt es, doch wir verschließen die Augen und die Geschichte wiederholt sich. 

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