Finnland geht der Stift

SchreibschriftNoch immer zittert selbst dem eifrigsten Gymnasiasten die Schreibhand, wenn er daran denkt, wie er einst lernte sie übers Papier zu führen. Meist sind eben jene Erinnerungen nicht in sonderlich viel Enthusiasmus getränkt. Unter den älteren Semestern war es sogar noch der Rohrstock, der für ihre Ordentlichkeit sorgte und doch wollen selbst diese sie nicht missen – die Handschrift!

Es klingt schon beinahe absurd, zu überlegen etwas derart Fundamentales – nicht nur im Bildungswesen – ein für alle Mal auszurotten. Finnland hat sich allerdings genau das zum Ziel genommen. Was im ersten Augenblick wie eine Scherznachricht klang, wurde rapide zum medialen Streitthema.

Statt wie früher, ach quatsch, wie heute ein paar müde Gedanken aufs Papier zu kritzeln, Schulaufgaben auf dem Schoß zu kopieren, oder lediglich eine Ja-Nein-Vielleicht-Botschaft auf Reisen zu schicken, sollen finnische Schüler bald nur noch wild auf ihren Tasten trommeln. Mit Tablet, Notebook, PC und Konsorten haben sie sich nun zu rüsten, um diese gegen ihre öden Blöcke auszutauschen.

Was prinzipiell – für eine mittlerweile durchaus technikaffine Schülerschaft – mehr als cool und sicher auch als eine zeitgemäß sinnvolle Entscheidung erscheinen mag, stößt in Fach- und somit auch Lehrerkreisen auf heftige Kritik.

Die Anschaffung eines Rechners oder gar eines Touch- Geräts wirkt sich nun mal ein wenig stärker auf die parentale Brieftasche aus, als ein Stapel jungfräulichen Papiers. Viele Familien können es sich also schlichtweg gar nicht erst leisten. Ein Problem, das sich selbst an Schulen wie der unseren stellt, wenn man allein nur die verpflichtende Anschaffung eines grafischen Taschenrechners bedenkt.

Ob dies nun also als die richtige Entscheidung angesehen werden kann, wird sich wohl erst noch herausstellen müssen. Als PISA-Spitzenreiter dürfte man Finnland allerdings ein gewisses Maß an Besonnenheit zutrauen.

Nicht, dass man dies nicht auch an deutschen Schulen voraussetzen könnte. Doch ob ein derart drastischer Schritt in Richtung Digitalisierung dem hiesigen Schulsystem ebenfalls zuzutrauen ist, scheint fraglich – scheitert man hierzulande doch noch an der Umsetzung der MINT-Fächer.

Jedoch – und das sei an dieser Stelle dazu gesagt – soll im Unterricht ebenfalls der Umgang mit dem smarten Telefon geschult werden. Zumindest in diesem Punkt sollte so manch ein deutscher Gymnasiast bereits jetzt die Nase vorn haben!

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